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Fibromyalgie:

Was ist Fibromyalgie?
Definition

Der Begriff "Fibromyalgie" ist ein Wort, das sich aus vier Teilen zusammensetzt. Es sind das lateinische Wort "fibra"= Faser und die griechischen Worte "mys" = Muskel, "algos" = Schmerz und "ia" = Zustand.

Mit dieser Bezeichnung sind bereits die wichtigsten Punkte der Erkrankung genannt. Es handelt sich um eine chronische, nicht entzündliche Form eines rheumatischen Zustands, welche die Weichteile des Körpers betrifft, vor allem den Übergang vom Muskel zur Sehne. Dabei gibt es einzelne Muskel-Sehnen-Übergänge, die besonders schmerzhaft sind. Sie werden als Schmerzpunkte oder Tender points bezeichnet. Neben diesen Schmerzen treten auch zahlreiche sogenannte vegetative Beschwerden auf, wie zum Beispiel Negung zu vermehrter Schweissbildung, Atembeschwerden, Reizblase, Wassereinlagerungen, Ohrensausen, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen etc. Natürlich leidet nicht jeder gleich stark unter den vegetativen Symptomen. Die Laboruntersuchungen sind generell eher unauffällig, grössere Abweichungen von den normalen Werten können in der Regel nicht festgestellt werden. Und schliesslich ist die Ursache der Erkrankung nicht eindeutig bekannt.

Häufigkeit

Die Fibromyalgie ist keine seltene Erkrankung, sie ist vielmehr ausgesprochen häufig: Je nach Land und Untersuchung sind ein bis vier Prozent der Bevölkerung betroffen. Etwa zwei bis sechs Prozent aller Patienten, die zum Allgemeinarzt gehen, sind betroffen und bei Orthopäden und Rheumatologen liegt der Anteil noch höher: nämlich bei 6 bis 20 Prozent!

Es ist seltsam, warum eine derart häufige Krankheit so lange nicht erkannt wurde, warum man noch immer so wenig darüber hört.

Dies liegt daran, dass die Krankheit weder lebensgefährlich noch progressiv ist und keinerlei Laborbefunde darauf hinweisen. Dies führt dazu, dass sie unter Fachleuten wenig bekannt ist und durch die verwirrende Vielfalt von Beschwerden immer wieder an andere Krankheiten denken lässt.

Seit wann gibt es Fibromyalgie?

Das Wissen über diese Erkrankung ist noch sehr jung. Erst etwa 1980 wurde sie zum ersten Mal in Fachkreisen in den USA diskutiert. Doch die Krankheit selbst ist noch sehr viel älter: Diffuse Muskelschmerzen kannte man bereits in der Antike. Im Lauf des 18. Jahrhunderts unterschied man zum ersten Mal Gelenkrheuma von Muskelrheuma, zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden zum ersten Mal die typischen Schmerzpunkte beschrieben.

Anfang des 20. Jahrhunderts nahm man an, dass das Muskelrheuma Folge einer Muskelfaserentzündung (Fibrositis, alle Krankheitsnahmen, die auf -itis enden, sind entzündliche Krankheiten) sei. 1968 wurde die ersten Fälle von Fibromyalgie beschrieben, die damals noch als Fibrositis bezeichnet wurden. Erst Anfang der achtziger Jahre wurde klar, dass es sich bei dem neuen Krankheitsbild nicht um eine entzündliche Krankheit handelt. Der Begriff Fibromyalgie wurde 1977 vorgeschlagen und 1990 von der amerikanischen rheumatologischen Gesellschaft akzeptiert. Damit wurde die Fibromyalgie als offizielle Krankheit gemäss WHO (Weltgesundheitsorganisation) anerkannt.

Trifft es nur Frauen?

80 bis 90 Prozent der Betroffenen sind Frauen. Im Allgemeinen beginnt die Erkrankung g egenEnde30undistmitetwaMitte40vollentwickelt.Es gibt jedoch auch deutlich jüngere und ältere Personen, die betroffen sind.

Da es wegen der Unkenntnis vieler Fachleute und auf Grund der fehlenden Anzeichen im Blut und auf dem Röntgenbild der Patienten oft gar nicht zu der Diagnose Fibromyalgie kommt, existieren keine zuverlässigen Statistiken über die Verbreitung. Ich zweifle daran, dass der Prozentsatz der erkrankten Frauen tatsächlich 80 - 90 Prozent sein soll. Ich weiss aus anderen Statistiken, dass Frauen häufiger zum Arzt gehen als Männer, dass sie kommunikativer sind und dass bei ihnen häufiger eine Depression diagnostiziert wird als bei Männern. Gibt es daher weniger Männer als Frauen, die depressiv sind? Bei vielen Männern, vor allem der älteren Generation, muss der Leidensdruck sehr gross sein, damit man sein Leiden offen zeigt. Wo bei vielen Frauen leidende "Psyche" diagnostiziert wird, nimmt man bei Männern eher "Überlastung, Abnutzung" als Ursache für Schmerzen.

Wie geht's weiter?

Die Fibromyalgie ist leider eine chronische Erkrankung, welche man nicht so einfach heilen kann. Positiv ist, dass sie nie zu körperlichen Veränderungen der Gelenke oder anderer Organe führt. Somit wird ein Erkrankter auch deswegen nie im Rollstuhl landen.

Die Dauer der Krankheit ist im Einzelfall unterschiedlich. In grösseren Studien wurden meist Beschwerdezeiträume von mehr als 15 Jahren nachgewiesen. Doch sollte man sich dadurch nicht entmutigen lassen! Es gibt wie bei vielen Krankheiten grosse Unterschiede, was das Ausmass der Beschwerden angeht. Tendenziell nehmen die Schmerzen mit der Zeit ab. Nach dem 60. Alterjahr geht es vielen besser (das ist zwar kein Trost für uns Junge!). Das Spektrum der Symptome reicht von praktischer Beschwerdefreiheit bis zu kaum erträglichen Schmerzen, wovon jedoch nur wenige betroffen sind. Sehr wesentlich für die Prognose ist vor allem die Therapie und die persönliche Einstellung. Je aktiver und bewusster man an die Krankheit herangeht, je mehr Unterstützung man hat durch Familie, Freunde, Arbeitskollegen, Ärzte und Therapeuten, desto günstiger ist der Verlauf.

(Quellen: Dr. T. Brückle, "Fibromyalgie - das unbekannte Rheuma"
Dr. T. Weiss, "Schmerzen überall - Fibromyalgie")