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Rückenschmerzen:

Volksleiden Rückenschmerz - Ein Überblick

Die Wirbelsäule: Eine Kette raffiniert in eleganter S-Kurve angeordneter Knochen balanciert den Kopf und stützt den Oberkörper. Stabilisiert wird diese bewegliche Säule durch ein bis ins Kleinste eingespieltes System von Bändern, Muskeln und Bandscheiben. Gerät das sensible Gefüge aus dem Gleichgewicht, kommt es zu Beschwerden, die viele von uns kennen: Rückenschmerzen.

Dass die gesunde Wirbelsäule sowohl ihre Stütz- als auch ihre Bewegungsaufgaben optimal wahrnehmen kann, gewährleistet der besondere Aufbau der einzelnen Wirbel. Die wichtige Stützfunktion übernimmt der Wirbelkörper, der außen durch harte Knochensubstanz stabilisiert und innen mit gewichtsparendem Schwammknochen gefüllt ist. Die Beweglichkeit gewährleisten die kleinen Zwischenwirbelgelenke, die über Fortsätze des Wirbelbogens am Wirbelkörper befestigt sind. Die Wirbelbögen bilden zusammen den Wirbelkanal, der das Rückenmark vor Verletzungen schützt. Durch Aussparungen im Wirbelbogen treten die dicken Nervenwurzeln aus. Über diese Nerven werden Impulse vom Körper zum Gehirn transportiert und Nervenimpulse des Gehirns in den Körper geleitet.

Damit die Wirbel nicht direkt aufeinander drücken und die starken Kräfte, die auf dem Rücken lasten, abgefangen werden, funktionieren die Bandscheiben als natürliche Stoßdämpfer. Wie Wasserkissen liegen diese von Bändern festgehaltenen Knorpelscheiben zwischen den knöchernen Wirbeln, dämpfen Erschütterungen und Druckbelastungen aller Art. Diese verformbaren Pufferscheiben bilden zusammen mit den angrenzenden Wirbelkörpern je ein Bewegungselement und tragen zur Flexibilität des Rückgrats bei.

Biologischer Stoßdämpfer - die Bandscheibe

Eine Bandscheibe besteht aus einem festen äußeren Faserring und einem weichen flüssigkeitsreichen Mittelteil, dem Gallertkern. Sie muss tagsüber ziemlich viel aushalten. Messungen an Bandscheiben der Lendenwirbelsäule zeigen hohe Druckbelastungen auch bei einfachen Tätigkeiten. So lasten auf den Bandscheiben der Lendenwirbelsäule schon beim Stehen in einer gebeugten Position über 100 Kilogramm, beim Sitzen bis zu 175 Kilogramm und beim Hochheben einer Last aus gebückter Haltung über 223 Kilogramm! Bei Übergewicht liegen die Werte entsprechend höher. Derartig hohe Belastungen pressen gewissermaßen den "Saft" aus der Scheibe. Sie verliert im Laufe des Tages an Flüssigkeit und Höhe. Das heißt: Wir werden kleiner. Über Nacht saugen sich die Bandscheiben jedoch wieder mit Flüssigkeit voll, so dass wir am Morgen wieder unsere normale Größe haben.

Im zweiten Lebensjahrzehnt beginnen di eAlterungsprozesseimKörper.Die Bandscheiben sind sehr früh davon betroffen. Vor allem der Gallertkern verliert im Lauf der Jahre immer mehr Flüssigkeit. Der Effekt: Die Zwischenwirbelscheibe schrumpft. Im Prinzip ist das nicht schlimm. Wirken allerdings zusätzliche Fehlbelastungen beispielsweise durch Haltungsfehler oder Instabilitäten in den Zwischenwirbelgelenken auf eine "alternde" Bandscheibe ein, kommt es zum krankhaften übermäßigen Verschleiß. Am Ende bilden sich Risse und Spalten in der Bandscheibe, sie verliert ihre Elastizität und damit ihre Funktionsfähigkeit. Rückenbeschwerden sind dann vorprogrammiert, denn hat die Bandscheibe erst einmal ihre Elastizität verloren, kann sich der Gallertkern ungünstig verlagern.

Verschiedene Bandscheibenprobleme:

Wölbt sich der Gallertkern aus der Bandscheibe heraus, ist aber noch vom Bindegewebe des Faserringes umgeben, so sprechen Ärzte von einer Bandscheibenvorwölbung. Durchbricht der Gallertkern den Faserring, handelt es sich um einen kompletten Bandscheibenvorfall. Sollte der Gallertkern sich sogar mit Teilen des Faserringes von der Bandscheibe komplett trennen, liegt der schlimmste Fall vor: der "sequestrierte" Bandscheibenvorfall.

All diese Veränderungen machen in der Regel Beschwerden. Der Bandscheibenvorfall selbst tut allerdings nicht weh, da Bandscheiben keine Nervenanbindung haben. Aufgrund der räumlichen Nähe von Bandscheibe und Nervenwurzel können allerdings die aus dem Rückenmark austretenden Leitungsbahnen gereizt oder sogar gequetscht werden. Heftigste Schmerzen sind dann die Folge.

Typische Bandscheibenschmerzen

Ist die Bandscheibenfunktion durch übermäßigen Verschleiß beeinträchtigt, lockert sich das gesamte Bewegungselement mit den angrenzenden Wirbeln. Am Anfang kann die Rückenmuskulatur diesen Mangel an Festigkeit noch ausgleichen, irgendwann wird es ihr aber zu anstrengend. Die Folge sind dumpfe Ermüdungsschmerzen, die sich nicht genau lokalisieren lassen. Am häufigsten treten diese Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule auf, dem untersten Abschnitt der Wirbelsäule, da hier das größte Gewicht entsteht. Ermüdungsschmerzen verschwinden meist, wenn man sich schont, was auch der Grund dafür ist, dass der Arzt bei Rückenbeschwerden zuerst einmal Ruhe verordnet.

Lassen sich die Schmerzen genau lokalisieren, halten sie länger an und strahlen aus, werden Nerven wie etwa der dicke Bein-Nerv, der so genannte Ischias-Nerv, durch die Verlagerung oder Vorwölbung der Bandscheiben gereizt. Die Nervenreizung ist als Hexenschuss geläufig.

Für einen Arzt sehr schwer zu diagnostizieren sind Belastungskreuzschmerzen. Sie können immer wieder in Abhängigkeit von der Körperhaltung auftreten. Die Schmerzen gehen meistens von der Lendenwirbelsäule aus und strahlen in Po, Oberschenkel und Leisten aus. Ärzte bezeichnen diese Erkrankung als Facettensyndrom, weil die Schmerzen an den Facetten, also den einander gegenüberliegenden Oberflächen der kleinen Wirbelgelenke entstehen. Die Behandlung ist extrem schwierig.

Weitere Ursachen für Rückenschmerzen

Wenn der Schmerz im Rücken sitzt, liegt es nicht immer an den Bandscheiben. Die Zahl anderer Ursachen ist groß und erschwert dem Arzt nicht selten die Diagnose. So treten Rückenschmerzen auch oft bei Magen-Darm-Problemen, Nieren-Erkrankungen und Schlaflosigkeit auf. Sogar Zahnschmerzen können Rückenschmerzen hervorrufen. Deshalb kann eine Zahnbehandlung nicht nur Zahnschmerzen, sondern oft auch quälende Rückenschmerzen kurieren.

Häufig werden Rückenschmerzen von den Bändern im Rücken, den Muskelansätzen, den kleinen Wirbelgelenken und deren Umhüllungen, den Gelenkkapseln hervorgerufen. Die Ursachen sind vor allem Muskelschwäche, Bewegungsmangel, sitzende Tätigkeiten, Haltungsfehler .

Wer seine Rückenmuskulatur in Schuss hält und damit die Gelenkkette der Wirbelsäule stabilisiert, kann der Zivilisationskrankheit Rückenschmerz erfolgreich entgegensteuern. Untersuchen zeigen, dass etwa 75 Prozent aller Fälle von Rückenschmerzen durch muskuläre oder psychische Ursachen bedingt sind. Wer im Beruf oder privat angespannt ist, verkrampft nicht nur seine Seele, sondern auch seine Rückenmuskulatur. Die Folge sind Verspannungen, Muskelverhärtungen und dadurch bedingt Rückenschmerzen. Leider ist es immer noch vielen Menschen unangenehm, mit dem Arzt über mögliche psychische Schmerzursachen zu sprechen. Umso wichtiger ist es daher, Stressfaktoren im Berufs- und Privatleben selbst zu erkennen und aktiv anzugehen. Eine positive Lebenseinstellung, allgemeine Bewegung und Sport, gesunde Ernährung und ausreichende Entspannung können oft mehr helfen als jedes Schmerzmittel.

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