"Man kann nicht nicht kommunizieren" - diese Feststellung von Paul Watzlawick trifft gerade auch für die Körpersprache zu, denn wir Menschen senden und empfangen ständig körperliche Signale. Selbst wenn wir aufhören würden zu sprechen, können wir trotzdem nicht aufhören durch die Körpersprache zu kommunizieren.
Wenn wir mit einem anderen Menschen sprechen, spielt sich die Kommunikation nur zu einem kleinen Teil auf der sprachlichen Ebene ab, der größere Teil wird bestimmt durch die nicht sprachliche, die so genannte nonverbale Ebene. Untersuchungen haben ergeben, dass die Kommunikation zu etwa 30 % verbal und zu etwa 70 % nonverbal abläuft. Die Körpersprache bestimmt also - mehr noch als unsere Worte – die Kommunikation mit anderen Menschen. Alle Signale, die wir mit dem Körper aussenden haben auf unsere Mitmenschen eine bestimmte Wirkung, aber auch auf uns selber.
Da die Körpersprache schwerer bewusst zu beherrschen ist, sind Körpersignale gegenüber der Sprache ehrlicher und wir trauen ihnen mehr als gesprochenen Worten. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Körpersprache nicht mit der sprachlichen Aussage übereinstimmt. Ein Beispiel: vermittelt ein Redner mit seiner Körpersprache eine andere Botschaft als seine Worte, so sind wir schnell irritiert und neigen dazu, dem Redner zu misstrauen.
Wichtige Signale unseres Körpers
Körperhaltung
Egal ob beim Sitzen, Stehen, mit unserer Arm-, Bein-, Kopfhaltung – wir drücken mit unserer Körperhaltung immer auch etwas aus. So signalisiert z. B. ein nach vorne geneigter Oberkörper Aufmerksamkeit; vor der Brust verschränkte Arme sind dagegen oft ein Zeichen der Ablehnung.
Körpersprache und Gefühlslage sind dabei eng miteinander verknüpft - Stimmungen und Gefühle schlagen sich unmittelbar in der Körpersprache nieder. So laufen depressive Menschen meist mit hängenden Schultern, den Blick auf den Boden gesenkt durch die Welt. Der Körper ist bei diesen Menschen nicht einfach nur gebeugt - er strahlt auch eine niedergedrückte Stimmung aus. Umgekehrt spiegelt sich Fröhlichkeit in einer aufrechten, offenen Haltung.
Mimik - Gesichtsausdruck
Ob wir uns freuen oder uns ärgern - die Mimik zeigt unser Grundgefühl an. Wir Menschen haben also für Freude, Ärger, Trauer und andere Emotionen einen ganz typischen Gesichtsausdruck. Diese Mimik ist angeboren und wird auch kulturübergreifend erkannt. So können wir die Freude eines Eskimos ebenso erkennen wie die eines Aboriginis in Australien.
Gestik
Zur Gestik gehören alle kommunikativen Bewegungen der Arme und Hände – sie ist somit eng mit der Sprache verknüpft. Gesten werden eingesetzt, um Worte zu unterstützen, zu begleiten oder auch zu ersetzen. Wie stark wir unsere Gestik einsetzen, hängt von der jeweiligen Kultur, aber auch vom Temperament, der Persönlichkeit und dem Selbstbewusstsein des Einzelnen ab. Wer z. B. sehr engagiert spricht, der setzt auch gerne seine Hände ein und steigert so die Natürlichkeit und Lebendigkeit. Dagegen setzen Menschen, die eher unsicher und schüchtern sind, meistens auch weniger Gesten ein.
Körperabstand - räumliche Distanz
Der Abstand zwischen zwei Menschen ist ein klassisches Ausdrucksmittel. Er lässt außerdem Rückschlüsse auf die Art ihrer Beziehung zu. Eine große Rolle spielt dabei auch die jeweilige Situation. So dulden wir z. B. in einem vollen Aufzug eine größere körperliche Nähe zu anderen Menschen. Normalerweise reagieren wir auf zu viel Nähe, indem wir ausweichen bis der Abstand passend für uns ist.
Intime Zone - Distanz weniger als 35 cm bis max. 60 cm
Nur sehr eng Vertrauten erlauben wir, sich in unserer Intimzone aufzuhalten. Eine solche Nähe signalisiert Vertrautheit und findet sich deshalb bei Intimpartnern, engen Verwandten oder zwischen Eltern und Kindern. Menschen, die man nicht so nahe an sich heranlassen möchte, werden um etwa eine halbe Armlänge auf Abstand gehalten, indem man z.B. einen Schritt zurückgeht.
Persönliche Zone - Distanz mindestens 35 cm
In einem Abstand von etwa 35 cm bis 1,20 Meter befinden wir uns in der persönlichen Zone. Es ist der Abstand den gute Freunde und Bekannte zueinander einnehmen, es ist die Zone in der z. B. private Gespräche mit Freunden stattfinden. Quelle:gesundheit.de
Soziale Zone - Distanz mindestens 1,20 Meter
Von 1,20 Meter bis etwa 3,60 Meter reicht die soziale Zone. Hierin bewegen sich zum Beispiel Chef und Angestellte. Dieser Abstand kann kurzfristig, z. B. beim gemeinsamen Arbeiten am PC unterschritten werden, anschließend wird jedoch der alte Abstand wieder eingenommen.
Öffentliche Zone - Distanz ab 4 Meter
Bei völlig fremden Menschen, in der Öffentlichkeit, beträgt die Wohlfühl-Distanz ca. 4 Meter. Dieser Abstand wird z. B. vom Redner zum Publikum oder bei Theateraufführungen eingehalten. Die große Entfernung macht eine Kommunikation nur schwer möglich.
Große Unterschiede in der Toleranz von körperlicher Nähe gibt es zwischen verschiedenen Kulturen. So kommen sich Südländer im Gespräch deutlich näher als beispielsweise Mitteleuropäer. Da die kulturellen Hintergründe nicht gleich sind, wird die Körpersprache des Gegenübers auch anders gedeutet. Dieser Umstand führt immer wieder zu Missverständnissen z. B. in der Politik und kann Beziehungen zwischen verschiedenen Kulturen erschweren.
Es lohnt sich also auf Signale zu achten, die der Körper immer aussendet. Sie sagen mehr über uns und unsere Bedürfnisse aus, als es Worte könnten.
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